17. Juni 2011 - 10:14 Uhr
Vor ein paar Wochen segelte ein Brief in unseren Postkasten, der das Adrenalin hoch fahren ließ. Nein, keine vergessene Mahnung: Es war eine Einladung von Renault zum Familientag auf den Nürburgring. In unseren Adern gefror das Blut und wurde Tröpfchenweise durch Bezin ausgetauscht. Es wird einen Showlauf der Formel 1 Rennserie von Renault geben und auch die Tourenwagen sind mit dabei. Wir dürfen Backstage, in die Pavillions und Renngaragen.
Autorennen und alles, was dazu gehört, ist an sich schon Aufregung pur – aber der Nürburgring hat bei uns Kultcharakter. Das liegt an einem meiner Studentjobs. Denn in meinen frühen Zwanzigern arbeitete ich für den Pavillon des Reifenherstellers Michelin. Nicht als Boxenluder – da wäre ich niemals hingekommen mit meinen niedriegen 1,56 Meter. Ich war die Kaffetante des Pavillions bei Klein- und Großerveranstaltungen des Herstellers oder bei Veranstaltungen, an denen Michelin beteiligt war, wie die Formel 3000 oder das 24 Stunden Rennen. Mein Arbeitsbereich war die Kaffemaschine, der Tresen und die kleine Küche. Ich kochte Kaffee, machte das Klo sauber, bevor die Gäste kamen und versorgte alle, die in den Pavillon kamen mit Getränken und kleinen Snacks. Da kamen dann auch schon Größen wie Poldi – nicht der Drache aus “Hallo Spencer” oder Gerhard Berger. Aber zu meiner Schande muß ich gestehen, dass ich beide nicht erkannte. Gerhard Berger saß bei mir am Tresen und spielte mit seinem Handy und sah ziemlich gelangweilt und auch ein wenig genervt aus. Also fragt ich ihn, ob er einen Kaffe möchte. Nee, so die Antwort, lieber was anderes. Cola, nein, Fanta, nein… Tee? Ich gab auf. Er schaute mich an und sagte: Milchkaffee . Hä?! Also, dann einen Milchkaffee für den Herren am Tresen. Nicht soviel Milch, ich bin doch keine Kuh. So ganz langsam ging er mir auf die Nerven. Also fragt ich, was er hier so mache, ob er auch Reifenhändler sei, der hier ein Fahrsicherheitstraining absolvierte.
Es wurde super still, der arme Mann verlor die Fassung und das teure Handy stürzte beinahe auf den Boden. Als er sich gefangen hatte, deutete er auf einen Kunstdruck an der Hinterwand des Pavillons und meinte: “Ich fahre die da.” Da waren zwei Tourenwagen dargestellt in expressiver schneller Drucktechnik. Ach, meinte ich, nicht die richtigen Rennautos, die man im Fernsehen so sieht? Und nun musste er lachen. Trank seinen Kaffee und ging. Ich glaube, er hielt mich für ein ziemliches Dummchen.
Später erfuhr ich dann, wer das gewesen ist und naja, ein wenig schämte ich mich schon. Aber andererseits, habe ich so eine von vielen schönen Geschichten vom Nürburgring mitgenommen. Und nun gehen meine Töchter dorthin. Sie hören den Lärm, riechen das Benzin und vielleicht treffen sie ja auch jemanden, den sie eigentlich kennen sollten, aber es doch nicht tun, jemanden, den sie Jahre später als prominente Persönlichkeit entdecken können.